Kaiserlinde – gepflanzt zum 100. Geburtstag Kaiser Wilhelm des Großen
zu finden: Rosentor / Ecke Lange Str.
Berichte aus der Leine- und Deisterzeitung
Deinsen, 17. März 1897:
Auch in unserer Gemeinde wird die 100jährige Wiederkehr des Geburtstages Sr. Majestät Wilhelm des Großen festlich begangen werden: Am Mon- tag den 22. d. Mts. findet Vormittags in hiesiger Schule eine öffentliche Schulfeier statt. Nachmittags um 2 Uhr versammeln sich die Gemeinde-Mitglieder und Schulkinder zu einem gemeinschaftlichen Festzug; derselbe bewegt sich durch das Dorf und macht in der Nähe des Wohnhauses des Gemeinde-Vorstehers Meyer Halt. Hierselbst wird nach Absingung einiger patriotischer Lieder und Halten mehrerer Reden eine Kaiser-Linde gepflanzt. Abends gegen 7 Uhr versammeln sich wiederum der Gesangverein, die Gemeinde-Mitglieder und Schulkinder zu einem gemeinschaftlichen Fackelzug durch das Dorf. Nach Beendigung desselben wird auf dem sog. Kleie ein schönes Feuerwerk abgebrannt. Alsdann versammeln sich die Einwohner im Saale des Herrn Gastwirt Hampe, woselbst Herr Pastor Crome einen Vortrag über den Hochseligen Kaiser halten wird.
Deinsen, 23. März 1897:
Die drohenen Wetterwolken waren verschwunden, und hin und wieder glänzte ein Strahl der Frühlingssonne, als sich am Nachmittage des 22. März unter unserer Lutherlinde der Festzug zur Pflanzung der Kaiserlinde ordnete. Voran die Fahnenriege mit Tambourknaben und Soldaten, zogen in festlichem Kleide die Schulmädchen, das Haar mit Immergrün und Epheu und den ersten Kindern des Frühling, den Schneeglöcklein, geschmückt, – ein lieblicher Anblick, die kindliche Freude auf dem Angesicht -, dann folgten die Knaben mit Fahnen und Säbel, nach ihnen die grün umwundene Linde, von den Konfirmanden getragen, alsdann der Pastor und die Vorstände von Kirche, Schule und Gemeinde und nach ihnen weibliche und männliche Festgenossen in stattlicher Reihe. Größer und größer wurde die Schaar, lauter und lauter klang der gemeinsame Gesang: „Ich hab’ mich ergeben – dir – mein deutsches Vaterland“. Und als es endlich er- scholl: „Es blickt hinauf in Himmelsau’n, wo Heldengräber niederschau’n“, da schloß sich um den Festplatz der Kreis, und die Kinder hielten hochgerichtet den deutschen Baum.
Nach dem Gesang des „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ hielt Herr Pastor Crome die Festrede, mahnend zum Dank aus der Wurzel deutschen Glaubens, fest in deutscher Liebe, treu in deutscher Hoffnung. – Schlage Wurzel, deutscher Glaube; rage Stamm von deutscher Liebe; trage Krone, deutsche Hoffnung! Waren die Worte, mit welchen der Festredner das Denkmal deutscher Treue, zur Ehre Gottes – zum Gedächtniß des großen Kaisers der Gemeinde übergab. Der Ortsvorsteher, Herr Meier, übernahm darauf die Kaiserlinde im Nahmen der Gemeinde, „sie zu pflegen, zu ehren und zu schützen für alle Zeiten.“ Nach einer poetischen Ansprache des Lehrers, Herrn Flohr, und etlichen Festsprüchen der Schulkinder erklang unter dem Geläute der Glocken das Vaterlandslied, welchem die eigentliche Pflanzung der Kaiserlinde mit Wohl- sprüchen der verschiedenen Vorstandsmitglieder folgte. Das erste Hoch auf S. Majestät den regierenden Kaiser und das „Heil Dir im Siegerkranz“ erscholl unter dem neu gepflantzen Baum, und mit dem Dank gegen Gott in Wort und Lied schloß die erhebende Feierlichkeit, den Teilnehmern unvergeßlich. – Am Abend erfreute nach einem stattlichen Fackelzug ein prachtvoll gelungenes Feuerwerk die Augen von Jung und Alt. Seinen Abschluß fand der schöne Tag in einer festlichen Versammlung im Hampe’schen Saale, der sich bald bis auf den letzten Platz füllte. Der Männergesangverein trug vaterländische Weisen vor, und Herr Pastor Crome ließ noch einmal in einzelnen Zügen aus dem Leben des großen Kaisers das hehre Bild des Mannes an unserem Auge vorüberziehen, den deutsche Liebe nimmer vergißt.
Foto: Friedrich Vennekohl